Stürmische EM – Medaillenhoffnung vom Winde verweht
Unser U23-Riemer David Kalle ist am vergangenen Wochenende bei den U23-Europameisterschaften in Kruszwica (Polen) im Vierer ohne Steuermann gestartet.
Die Konkurrenz in dieser Bootsklasse war hochkarätig besetzt: Mit Rumänien und Dänemark waren zwei Boote am Start, deren Athleten noch am Wochenende zuvor bei der Weltmeisterschaft in Amsterdam im A-Bereich angetreten waren. Hinzu kamen unter anderem das polnische Boot, das bei der U23-Weltmeisterschaft der vergangenen Saison Bronze gewonnen hatte, sowie die amtierenden U23-Vizeeuropameister aus Italien.
Doch nicht nur die starke Konkurrenz stellte die Sportler vor eine besondere Herausforderung. Seiten- und Gegenwind mit Geschwindigkeiten von bis zu 60 km/h verwandelten den Gopło-See zeitweise beinahe in eine Coastal-Rowing-Strecke. Der amtliche Wetterdienst hatte vor den Bedingungen gewarnt. Zwischen Zelten, die sich aus ihrer Verankerung lösten, einer beschädigten Startbrücke sowie kurzfristigen Änderungen des Zeitplans und der Bahnverteilung mussten die europäischen Athleten dennoch den Fokus auf ihre Rennen behalten.
Im Vorlauf am Samstag belegten David und sein Team knapp hinter Polen den zweiten Platz und qualifizierten sich damit direkt für das A-Finale.
„Es hat uns gefreut, dass wir über die gesamte Strecke am polnischen Boot dranbleiben konnten und hinter ihnen den zweiten Platz belegt haben. Außerdem konnten wir wichtige Erkenntnisse sammeln, um unsere Riemeneinstellung noch besser an die Windbedingungen anzupassen“, so Kalle.
Auch am Sonntag änderte sich das Wetter nicht: Erneut erwarteten die Sportler stürmischer Gegen- und Seitenwind. Das A-Finale des Vierers ohne Steuermann wurde noch regulär ausgetragen. Dem deutschen Boot wurde mit Bahn vier die untere Mittelbahn zugeteilt, während Rumänien, Polen und Dänemark auf den windgeschützteren oberen Bahnen starteten. Kurz darauf entschieden die Verantwortlichen aufgrund der stark unterschiedlichen Bedingungen, die nachfolgenden Finals aus Fairnessgründen nur noch als Zeitläufe auszutragen.
Bis zur 1.500-Meter-Marke lag der deutsche Vierer konstant auf Rang vier – hinter Rumänien, Dänemark und Polen, aber vor Italien und Kroatien. Auf den letzten 500 Metern änderte sich das Bild jedoch: David und sein Team verloren zwei Positionen und überquerten die Ziellinie schließlich auf Rang sechs.
„Wir sind das Rennen sehr aggressiv angegangen. Wir wollten nicht einfach nur im A-Finale mitfahren, sondern um Bronze kämpfen. Dass wir an Rumänien und Dänemark, deren Athleten bereits im A-Bereich starten, vermutlich nicht herankommen würden, war uns bewusst“, erklärt Kalle.
Neben David bestand das deutsche Boot aus drei Athleten, die erst in dieser Saison in den U23-Bereich aufgestiegen waren. Damit stellte Deutschland im Durchschnitt die jüngste Crew des gesamten Feldes.
„Uns war bewusst, dass unser Ziel ehrgeizig war – gerade als vergleichsweise leichte Crew bei starkem Gegenwind. Trotzdem wollten wir nach dem Rennen sagen können, dass wir unter diesen Bedingungen unser Möglichstes versucht haben. Dass wir auf den letzten 500 Metern noch auf Rang sechs durchgereicht wurden, war natürlich ärgerlich. Wir sind auseinandergefallen, das Boot wurde immer instabiler und wir wurden gewissermaßen zum Spielball des Windes. Dadurch konnten Italien und Kroatien noch an uns vorbeiziehen“, ordnet David das Rennen ein.
„Mein Vierer und ich haben uns in der Rennbesprechung bewusst gegen die sichere Variante – die Absicherung des vierten Platzes – und für die Risikovariante entschieden: den Kampf um Bronze. Das galt trotz der für uns deutlich ungünstigeren Ausgangsbedingungen. So sind nun einmal die Tücken eines Outdoorsports. Wie das Rennen bei schwächerem Wind oder Schiebewind verlaufen wäre, kann niemand sagen. Es ist nur etwas schade, dass wir die eigentlichen Stärken unseres Vierers an diesem Tag nicht zeigen konnten“, resümiert Kalle.
Kopf hoch, Ruderbrille richten und weiter geht’s! Wir sind trotzdem stolz auf dich, David.